Ende des "Kirchturmdenkens"?! Politiker und Kaufleute diskutieren über regionales Einzelhandelskonzept
01.04.2010Den Einzelhandel weiter stärken und in die Zukunft führen - die Industrie und Handelskammer (IHK) sowie der Einzelhandelsverband (EHV) Trier bauen auf ein regionales Einzelhandelskonzept, um diese Ziele umzusetzen. Kaufleute und Politiker haben im Tagungszentrum der IHK Trier über Perspektiven diskutiert. Dabei hat Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) seine Unterstützung zugesichert. Für Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), ist die Sache klar. "Zum regionalen Einzelhandelskonzept gibt es keine Alternative". So sieht es auch der Einzelhandelsverband (EHV) Region Trier. Dessen Präsident Michael Müller erhofft sich mehr Planungssicherheit und insgesamt ein einzelhandelsfreundicheres Wirtschaftsumfeld sowohl für die Einzelhändler, die bereits vor Ort sind, als auch für die ansiedlungswilligen Betriebe. Als Startschuss haben Kaufleute und Politiker, darunter auch der Landrat des Kreises Trier-Saarburg und Vorsitzender der Regionalen Planungsgemeinschaft Trier, Günther Schartz, die Perspektiven des Projekts diskutiert. In seiner Begrüßung bedauerte der Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses und Delegierte des EHV Trier Georg Stephanus, dass immer noch etliche Kommunen eine Ansiedlungspolitik verfolgen, die sich stark an den Investorenwünschen nach billigen Grundstücken in verkehrsgünstiger Lage orientieren. Das regionale Einzelhandelskonzept sieht hingegen vor, dass Städte und Kommunen in Sachen Standortauswertung zusammenarbeiten. Neue Ansiedlungen von Gewerbeflächen sollen also nicht, wie bisher, innerhalb kommunaler Grenzen entschieden werden. Stattdessen sollen Kommunen und Städte mittels eines neutralen Moderators eine Lösung erarbeiten, die auf die ganze Region ausgelegt ist. Ein grenzenloses Ausbreiten von Einzelhandelsimmobilien werde verhindert, wovon insbesondere die Innenstädte profitieren. Und auch die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung soll damit sichergestellt werden. Bruch ist vom Konzept überzeugt und sicherte finanzielle Unterstützung zu. "das ist eine große Chance". Gerade mit Luxemburg vor der Tür sei das Konzept wichtig, sagt Genth. "In Aachen gibt es mit den angrenzenden Niederlanden auch ein solches Konzept- und es funktioniert." Bei einem gleichbleibenden Umsatz des Einzelhandels von 400 Milliarden Euro jährlich steigt die Anzahl der Verkaufsflächen stetig an. Ein Verdrängungsprozess ist die Folge "Hier findet ein Wettrüsten der Händler statt." Die Überzeugungsarbeit für das Konzept stellen sich einige Teilnehmer schwierig vor, und auch die Frage nach der Verbindlichkeit wurde gestellt. Genth erklärte am Beispiel der Region Ostwestfalen-Lippe, wie es funktionieren könnte: Die Kommunen und Städte schließen einen Vertrag ab, Sanktionen gibt es aber nicht. "Wir setzen hier auf Freiwilligkeit". Große Sorgen machten sich die Zuhörer auch über den Flughafen Hahn. Bruch beteuerte jedoch, dass das Land dort keinen großflächigen Einzelhandels haben will. Bilder-Galerie


